Vergleichende Betrachtungen zu Malpolon monspessulanus und Rhinechis scalaris

[© 2016 Autor: Frank Buchter.]

Vergleichende Betrachtungen zu Malpolon monspessulanus und Rhinechis scalaris

Seit Jahren beobachten wir beide Arten sowohl im Freien wie auch im Terrarium.
Der Vergleich beider Arten ist deshalb so interessant, weil sich beide den Lebensraum teilen.
Zuerst fiel die Tatsache auf, dass beide Schlangenarten offenbar zumindest als Adulttiere friedlich zusammenleben. So konnten wir mehrfach beobachten, wie beide Arten in einem Versteck fast nebeneinander lagen. Obwohl bekannt Rhinechis scalarisist, dass die Eidechsennatter ophiophag veranlagt ist, scheint sie nur bei Nahrungsknappheit andere Schlangen zu verschlingen.
In der Regel überschneiden sich die Aktivitätszeiten nicht stark; so ist die Eidechsenatter strikt tagaktiv, während die Treppennatter eher in der Abenddämmerung und bei Hitze auch nachts aus ihrem Versteck kommt. Das Beuteschema beider Schlangen ist sehr ähnlich, trotzdem gibt es leicht verschiedene Vorlieben. So hat sich R. scalaris außer auf Nagetiere auch auf Vögel spezialisiert, während M. monspessulanus eine Vorliebe für alle Arten von Echsen hat. Auch traut sich M. monspessulanus an größere Beutetiere, wobei hier das Gift zum Vorteil gereicht.

Über die Jahre hat sich außerdem gezeigt, dass M. monspessulanus viel weniger von Parasiten (Milben, Zecken) befallen ist als R. scalaris. Auch litten auffallend viele R.s. an Geschwüren, nie jedoch M.m.
R.s. wies oft Kampfspuren auf in Form von Wunden und Narben auf, während selbst alte Malpolon oft makellos erschienen. Wir nehmen an, dass auch hier das Gift ein wesentlicher Vorteil ist und einen längeren Kampf mit der Beute verhindert.

Weiter konnte festgestellt werden, dass M.m. ein aktiver Jäger ist, der seine Umgebung visuell nach Beute absucht, während R.s. sich mehr auf den Geruchsinn verlässt. Die Sehfähigkeit der Eidechsennatter ist der der Treppennatter weit überlegen.Malpolon monspessulanus

Auch in Sachen Intelligenz übertrifft die Eidechsennatter die Treppennatter: So lernt M.m. im Terrarium schnell, dass der Halter keine Gefahr darstellt und assoziiert ihn sehr früh mit der Fütterung. Bei der Treppennatter dauert es einen längeren Zeitraum bis sie diesen Zusammenhang versteht. Aus diesem Grund gewöhnt sich M.m. viel schneller an das Terrarium und Obhut eines Halters. Eine R.s. bleibt im Vergleich sehr lange scheu und ängstlich und die Eingewöhnung gestaltet sich am Anfang etwas schwierig.

Der Metabolismus ist bei beiden Arten sehr unterschiedlich; so verdaut M.m. viel schneller die Beute als R.s. und benötigt höhere Vorzugstemperaturen. In der Regel kotet M.m. nach 24 Stunden ab. Die Treppennatter benötigt meist etwa 48 bis zur vollständigen Verdauung.

© 2016 Autor: Frank Buchter.