Sehfähigkeit von Malpolon monspessulanus
[© 2013 Autor: C. S.]

Gemäss C. De Haan verfügt Malpolon über eine ähnlich gute Sehkraft wie der Mensch: Weit entfernte Objekte wie Flugzeuge, Lastwagen oder Wanderer am Horizont werden wahrgenommen, was sich daran zeigt, dass M. sofort den Kopf hebt und das Objekt des Interesses mit beiden Augen fixiert.

Bei regelmässig wiederkehrenden „Störungen“ wie Zügen, Flugzeugen oder Autos,  gewöhnt sich Malpolon schnell an die ungefährliche Bewegung im Revier und verliert das Interesse.

Sehfähigkeit MalpolonAuch Terrarientiere, insbesondere die scheuen Weibchen, reagieren selbst nach jahrelanger Eingewöhnung auf kleinste Bewegungen mit Kopfheben und Fluchtbereitschaft, selbst wenn die Ursache weit entfernt vom Terrarium bzw. ausserhalb des Terrarienraumes liegt. Andere Schlangenarten (Natrix ssp, ehem. Elaphekomplex) zeigen dieses Verhalten nicht und bleiben ungerührt liegen; ob dabei schlechtere Sehkraft oder kürzere Fluchtdistanzen  die entscheidende Rolle spielen, ist nicht ganz klar.

Zum Jagen stützt sich die Eidechsennatter v.a. auf die Augen, die gut geschützt unter einer Schuppenleiste in einer seitlichen Vertiefung des Kopfes liegen. Immer wieder hält sie inne, um sich periskopartig aufzurichten und die Umgebung abzusuchen. Per Hetzjagd werden auch schnelle Beutetiere wie die Perl- und Smaragdeichse erbeutet. An Wasserstellen lauert Malpolon Vögeln auf. Der Geruchssinn wird bei diesen Jagdformen nur eine untergeordnete Rolle spielen. Ganz generell züngelt Malpolon – verglichen mit den bereits genannten Arten – auffällig weniger.

Die Beute wird stets mit erstaunlicher Genauigkeit ergriffen: Mäuse und Eidechsen fast immer von oben  herab am Nacken (um einen Verteidigungsbiss auszuschliessen), Vögel (Küken) regelmässig am Hals. Bereits Jungtiere beäugen die angebotene (tote) Nahrung ausgiebig vor dem Zubeissen. Im Gegensatz zu anderen Schlangen (Zamenis longissima, Elaphe dione u.a.) wird tote Beute – auch wenn sie mit der Pinzette fest bewegt wird – nicht umschlungen.

Sehfähigkeit MalpolonDas grosse horizontale Gesichtsfeld  - De Haan schreib von über 300Grad (pers. Mitteilung) – ermöglicht das frühzeitige Erkennen von Fressfeinden aus fast allen Richtungen.  Obwohl äusserst vorsichtig und aufmerksam, ist Malpolon  eine häufige Beute des Schlangenadlers. Die Gründe dafür könnten u.a.  in der strengen Tagaktivität liegen. Die Sehzellen sind allein an das Tagessehen angepasst (… les cellules de sa rétine sont du type "extrêment aigu pour la vision diurne, mais pas pour la nocturne.  pers. Mitteilung C. De Haan).

Ähnlich wie bei den Peitschennattern (Ahaetulla), auch Baumschnüffler genannt, verfügt Malpolon über die Fähigkeit, Objekte mit beiden Augen zu fixieren, also die Augen nach vorne zu richten und beispielsweise Beute stereoskopisch zu erfassen. Dies erleichtert ein Abschätzen der Distanz zum Objekt sowie das räumliche Erfassen der Umwelt.

Auffällig ist die ausgeprägte Neugier der Eidechsennattern: Oft ist die Futterpinzette oder der Putzlöffel – beide metallisch glänzend – interessanter als dargebotenes Futter. Eine Veränderung der Terrarium-Einrichtung untersucht das Männchen umgehend und eingehend. Auch der tanzende Punkt eines Laserpointers wird, wie von Katzen, gerne verfolgt, wobei das Interesse deutlich schneller als beim Säuger erlahmt.

Leider ist das Thema „Sehkraft bei Schlangen“ von der Forschung bisher stiefmütterlich behandelt worden.

© 2013 Autor: C. S.