Putzverhalten von Malpolon monspessulanus und insignitus
[© 2012 Autor: C. S.]

Viel wurde über das eigenartige Verhalten der Psammophinae, sich selbst mittels der Nasendrüsen einzureiben, geschrieben. Der deutsche Begriff „Putzverhalten“ ist deshalb irreführend. Treffender ist der englische Ausdruck
„self-rubbing“.
Eine mittlerweile verworfene Theorie begründete dieses Verhalten mit der Reduktion der Verdunstung:
Da in der Flüssigkeit der Nasaldrüsen Fette gefunden wurden und Malpolon auch in ariden Gebieten ohne Süsswasser bzw. Taubildung existieren kann, lag die Annahme nahe, dass die Flüssigkeit die Hautverdunstung herabsetzten soll. Experimentell wurde zudem bewiesen, dass M. die tiefste Verdunstungsrate aller europ. Schlangen aufweist.
Dazu kommt, dass das „Putzverhalten“ bei Temperaturerhöhungen und nach Häutungen verstärkt gezeigt wird. Allerdings steigt dann generell die Aktivität der Eidechsennatter.

Dagegen sprechen jedoch verschiedene Fakten und Untersuchungen. Am intensivsten mit dem im Schlangenreich einzigartigen Verhalten hat sich bisher Cornelius De Haan auseinandergesetzt.

Festzuhalten bleibt:
1. M. reibt nicht etwa den ganzen Körper ein, sondern bloss die Bauchschuppen (Ventralia, Subcaudalia)
2. M. zeigt das Verhalten auch bei reichlichem Trinkwasserangebot bzw. genügend Feuchtigkeit.
3. Das Sekret wird auch an Terrarienscheiben und anderen Objekten  grosszügig abgesetzt.
4. Das Verhalten wird häufiger von den Männchen gezeigt, insbesondere zur Paarungszeit.

"self-rubbing"

C. De Haan ist – ganz grob zusammengefasst – nach eigenen Untersuchungen und Beobachtungen zur Erkenntnis gekommen, dass das Sekret zum Markieren  des Reviers und der von einem starken Männchen dominierten Artgenossen (Weibchen, Vasallenmännchen) dient sowie als „Wegmarkierung“ in unbekanntem Gelände.

Eigene Beobachtungen an Terrarientieren:
- Das Sekret wird in grossen Mengen im ganzen Terrarium verteilt.
- Von April bis Juni werden die Terrarienscheiben täglich (oft fast komplett in Bodennähe, als  weisslich-gelblicher Film sichtbar) von den Männchen „markiert“. Anschliessend nehmen Menge und Häufigkeit des Verhaltens stark ab, um im Spätsommer fast ganz aufzuhören.
- Von einem Freund angeregt, führte ich zur Paarungszeit folgenden Versuch mit zwei wohlgenährten Männchen durch:

Die identisch grossen, stark mit Sekret der Männchen  benetzten Frontscheiben zweier Malpolonterrarien  wurden untereinander ausgetauscht. Die Reaktion fiel unerwartet heftig aus:
Männchen eins stürmte nur wenige Sekunden nach dem Austausch aus dem Versteck, bezüngelte kurz die Scheiben und führte sofort einen „Putzakt“  aus. Danach wurde stundenlang das ganze Terrarium inspiziert und immer wieder minutenlang die Frontscheibe hektisch und intensiv bezüngel bzw. markiert. Das Tier wirkte stark erregt.
Das zweite Tier schien vorerst wie erstarrt und verharrte einige Minuten völlig regungslos, legte darauf ebenfalls einen Putzakt hin, um dann in das gleiche Verhalten wie Tier eins zu verfallen.
Auch die frische Haut eines fremden Männchen löst jeweils eine tiefe Unruhe aus.

Das Einreiben kann also in diesem Falle nichts mit Verdunstungsreduktion (wobei diese als Nebeneffekt nicht auszuschliessen ist) zu tun haben. Auch wenige Tage alte  Jungtiere, die noch leicht feucht gehalten werden, zeigen bereits das „self-rubbing“. Auch hier wieder die Männchen deutlich häufiger und intensiver als die Weibchen.
Malpolon m. und i. reagieren also, ähnlich wie Hunde, auf den Geruch fremder Artgenossen und haben offensichtlich einen individuellen Geruch.

© 2012 Autor: C. S.

Video zum Putzverhalten: